REAKTION AUF DIE INFORMATION DER PREVIS AN DEN GROSSEN RAT

Die Pensionskasse Previs gerät durch die schweizweite Unterschriftensammlung im Grossen Rat Bern in Erklärungsnot. Der Präsident Stiftungsrat Hans Peter Flück liess deshalb eine Information an die Fraktionsvorsitzenden des Grossen Rats Kanton Bern verschicken. Folgend eine Reaktion darauf:

Grundsätzlich hat die Mieterschaft ein Verständnis für Renovationen. Aber die Previs stellt die Liegenschaft als dringend sanierungsbedürftig dar. Doch wer sich ein Bild vor Ort verschafft, merkt, dass die Eile fragwürdig ist. Die Wohnungen sehen so aus, als könnte man noch ein ganzes Jahrzehnt gut darin leben, womit auch viele Mieter gerechnet haben.

Wie kann es eine Pensionskasse wagen, so vielen alten Leute innert nur fünf Monaten völlig überraschend die Wohnung zu kündigen. Eine Leerkündigung von 94 Wohnungen ist ein existentieller Schock. Unter den Betroffenen hat es viele Seniorinnen, die jeden Tag WEINEN (!) und mit der Situation komplett überfordert sind. Sie hatten gerechnet ihr Lebensende noch in dieser Wohnung verbringen zu können und sind nun absolut ratlos.


Es ist zynisch, dass Previs die Liegenschaft altersgerecht umbauen will und deshalb eine Mieterschaft auf die Strasse stellt, die grösstenteils aus Senioren besteht. Etliche Mieter sind hochbetagt, eine Person ist 98jährig, sie liess auf eigene Kosten das Bad barrierefrei umbauen. Offensichtlich sind die Wohnungen trotz Mängel für den Moment derart altersgerecht, dass die Senioren damit klar kommen und gut darin wohnen können.

Einige Mieter zogen eben erst ein (z.B. November) oder renovierten ihre Wohnung auf eigene Kosten und erhalten im Januar die Kündigung. Das ist absolut anmassend. Wie fühlten sich die Verantwortlichen der Previs Pensionskasse, als sie bei der offiziellen Informationsveranstaltung im Kleinfeld (11. Feb.) mit zirka 190 betroffenen Gästen fast ausschliesslich in traurige, alte Gesichter blickte?

Die 94 Leerkündigungen sind extrem hart für die Mietenden. Auch wenn dies dramatisierend klingen mag, ist es belegt, dass ein solcher Wohnungswechsel für betagte Senioren das Todesurteil bedeuten kann. Leider gibt es unzählige Beispiele für solche Fälle, wo alte Leute bald starben, nachdem sie ihr gewohntes Wohnumfeld verliessen und aus dem gewohnten Rythmus geworfen wurden.

Besonders störend an dem Fall Brunnmattstrasse ist, dass dies durch eine Pensionskasse geschieht, also eine quasi halböffentliche Einrichtung. Wenn die Pensionskasse genügend viele Jahre wartet mit ihrer fundamentalen Grundsanierung (geplante Kosten: 17 Millionen!), werden sich viele Härtefälle von alleine erledigen, denn etliche der Senioren befinden sich in ihrem letzten Lebensabschnitt, sind aber noch selbstständig genug um alleine zu wohnen und zu fit für einen Umzug ins Pflegeheim. Bei den Familien mit Schulkindern werden diese die Primarschule verlassen haben. Und die erst kürzlich eingezogenen Mieter können ihre Bleibe dann noch wenigstens ein paar Jahre lang geniessen.


In den Presseberichten finden sich viele Reportagen über dramatische Mieterschicksale, als Beispiel das Porträt der 88jährigen und 92jährigen Mieterinnen: www.srf.ch/play/tv/schweiz-aktuell/video/massen-wohnungskuendigungen-in-kriens-lu

Die Previs Vorsorge AG ist die Pensionskasse der Berner Gemeinden und der Berner Kirchen (katholisch und refomiert). Einzelne betroffenen Mieter und Angehörige drohen daher leider bereits mit Kirchenaustritten. Die Pensionskasse ist zudem Mitglied der Stiftung Ethos, mit dem Ziel einer sozialen und nachhaltigen Anlagetätigekeit. Davon merkt man im Fall Brunnmattstrasse nichts.

Die 94 Wohnungen der Brunnmattstrasse sind grösstenteils von Senioren bewohnt. Wie auf dem unten angehängten Foto ersichtlich ist, kamen an die vom Mieterkomitee organisierte Mieter-Hilfe-Veranstaltung (13. Feb.) trotz strömendem Regen und abendlicher Dunkelheit fast nur Senioren, oder wenn sie jünger waren, dann waren es meist Angehörige. Diese Fotos sind eine SCHANDE für die Pensionskasse Previs, welche doch verantwortungsbewusst für alte Leute sorgen müsste.

Mieter-Hilfe-Treffen 13-02-2020 Mieter-Hilfe-Treffen 13-02-2020

[Anmerkung: Wenn eine abgebildete Person auf dem Foto unkenntlich gemacht werden will, bitte eine E-Mail an: Dave Büttler, dave@mondmil.ch]

Bildquelle: www.Live-Karikaturen.ch, CC BY-SA 4.0
Bildquellen Fotos: Blick, SRF Schweiz Aktuell